Hintergrund

Gestatten: die Regenwasseragentur

21. März 2019
Auf Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses wurde im Mai 2018 die Berliner Regenwasseragentur als gemeinsame Initiative des Landes Berlin und der Berliner Wasserbetriebe aus der Taufe gehoben. Wie es zur Gründung der Agentur kam, welchen Auftrag sie hat und wer zu ihrem Team gehört, erfahren Sie hier.
Das Team der Berliner Regenwasseragentur. Von links: Hanna Krüger, Dr. Darla Nickel, Grit Diesing. Im Bild fehlt: Wolfram Schroff.
Das Team der Berliner Regenwasseragentur. Von links: Hanna Krüger, Dr. Darla Nickel und Grit Diesing. Im Bild fehlt Wolfram Schroff.

Noch vor wenigen Jahren war es selbstverständlich, Regenwasser von dem eigenen Grundstück über einen Hausanschluss in die Kanalisation zu leiten. Heute soll Regenwasser möglichst auf dem Grundstück bzw. am Ort des Anfalls zurückgehalten und bewirtschaftet werden. Der Wechsel kam für Viele überraschend und wirft Fragen auf. Wer ist wofür zuständig? Was ist erlaubt? Wie geht das technisch? Und kann das finanziert werden?

 

Die Berliner Regenwasseragentur unterstützt das Land Berlin dabei, diesen Wechsel gut über die Bühne zu bringen: Mit Informations-, Beratungs- und Qualifikationsangeboten, der kooperativen Entwicklung von Umsetzungsstrategien und der Mithilfe bei der Realisierung eines Grüne-Dächer-Förderprogramms. In Zusammenarbeit mit dem Land Berlin und den Bezirken soll ein Netzwerk mit städtischen Dienstleistern, öffentlichen und privaten Immobilienbesitzern, Planern, Umsetzern und den Bürgerinnen und Bürgern entstehen. Sie alle fungieren als Regenwasseragenten, haben großen Einfluss darauf, was mit Regenwasser passiert und ob es sinnvoll eingesetzt wird. Die Bewirtschaftung von Regenwasser vor Ort setzt vereintes Wissen und den vollen Einsatz Vieler voraus.

Meilensteine auf dem Weg zur Berliner Regenwasseragentur

Die Koalitionsvereinbarung des Berliner Senats für die Legislaturperiode 2016 bis 2021 enthielt das politische Bekenntnis, in Berlin offensiv Maßnahmen und Instrumente der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung zu entwickeln und umzusetzen. Das erklärte Ziel: die Kanalisation zu entlasten, den Gewässerschutz zu stärken und den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen.

 

Hierfür sollen die Gebäude- und Grundstücksflächen, von denen Regenwasser direkt in die Mischwasserkanalisation eingeleitet wird, jährlich um 1 Prozent reduziert und neue Wohnquartiere bereits in der Planung an einem dezentralen Regenwassermanagement ausgerichtet werden.

 

Eine zu gründende kommunale Berliner Regenwasseragentur soll unter Einbeziehung sowohl privater wie auch öffentlicher Akteure, aber auch engagierter Bürger und Bürgerinnen, das Land Berlin bei der Erstellung und Umsetzung eines Berliner Regenwasserkonzeptes und der Realisierung eines 1000-Grüne-Dächer-Programms unterstützen.

Das Berliner Abgeordnetenhaus erteilte dem Senat 2017 den Auftrag, mit den Berliner Wasserbetrieben eine Vereinbarung zur Schaffung einer »Berliner Regenwasseragentur« abzuschließen. Diese soll das Land bei der Bewältigung der breitgefächerten Aufgaben der Regenwasserbewirtschaftung unterstützen.

Unter Federführung des Ressorts Wasserwirtschaft berieten Vertreter der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe sowie der Berliner Wasserbetriebe über die Aufgaben einer künftigen Regenwasseragentur.

 

Als Ergebnis eines intensiven Abstimmungsprozesses wurden Grundsätze für die Regenwasseragentur formuliert. Sie beinhalten neben der umweltpolitischen Zielstellung die Organisationsform, Ziele und Kernaufgaben, Zielgruppen, Arbeitsmethoden und Inhalte. Festgeschrieben in einem Eckpunktepapier sind sie Grundlage der Gründungsvereinbarung.

 

Darauf aufbauend haben die Berliner Wasserbetriebe einen Arbeitsplan erarbeitet und mit dem Land Berlin abgestimmt. Dieser sieht unter anderem die nächsten notwendigen Schritte  und die dafür erforderlichen Ressourcen vor.

Die Berliner Regenwasseragentur versteht sich als eine gemeinsame Initiative des Landes Berlin und der Berliner Wasserbetriebe. Vertragspartner sind die Berliner Wasserbetriebe und die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, bei der auch die Federführung für die Steuerung liegt.

 

Die Berliner Wasserbetriebe haben die Regenwasseragentur mit einer eigenen Geschäftsstelle errichtet, als Teil ihrer Organisationsstruktur und ohne eigene Rechtspersönlichkeit.

 

Das Land Berlin finanziert die Regenwasseragentur zu 100 Prozent. Zur Erfüllung der Aufgaben werden Personalmittel und Sachmittel aus dem Landeshaushalt bereitgestellt.

 

Ein fachlicher Steuerungskreis unter der Leitung des Ressorts Wasserwirtschaft dient der direkten Kontrolle und Steuerung der Arbeit sowie der laufenden Kommunikation zwischen den Kooperationsparteien. Dieser setzt sich aus Vertretern der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, der Berliner Wasserbetriebe sowie aus der Forschung zusammen.

Am 4. Mai 2018 war es soweit: Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz für das Land Berlin und der Vorstand der Berliner Wasserbetriebe haben die Gründungsvereinbarung unterzeichnet. In dem Abkommen haben die beiden Vertragspartner die wesentlichen Charaktermerkmale der Regenwasseragentur festgehalten. Im Vordergrund steht auch hier die wichtige Netzwerkfunktion:

Die Berliner Regenwasseragentur »ist ein gemeinsames Projekt des Senats und der Berliner Wasserbetriebe. Sie ist eine Initiative für und mit Private/n, öffentliche/n Dienstleister/n und Wirtschaftsunternehmen. Sie sammelt und verbindet Initiativen, Projekte, Produkte und Lösungen. Sie funktioniert als eine reale und virtuelle Plattform, um auf kommunikativen Wegen für das dezentrale Regenwassermanagement zu werben und zwischen Akteuren zu vermitteln.

 

Über den unmittelbaren Austausch mit Hochschulen und Forschungsinstitutionen hat sie Verbindung zum aktuellen Fachdiskurs und unterstützt bei der Umsetzung neuer, innovativer Ansätze. Sie will Bürgerinnen und Bürger, Stadtplaner und Städtebauer, Verwaltung, Unternehmen und Wohnungsbaugesellschaften aktivieren, animieren und zum Netzwerken auffordern, damit die Stadt ,regensicherer’ und klimaangepasster wird.

Sie ist keine Institution, die hoheitliche Funktionen innehat. Sie betätigt sich auch nicht wirtschaftlich-wettbewerbsmäßig.«

Das Team der Regenwasseragentur

Dr. Darla Nickel

Die promovierte Ingenieurin für Technischen Umweltschutz leitet die Regenwasseragentur. Ihr Berufsleben lang beschäftigt sie sich mit urbanem Wassermanagement und Anpassungsstrategien an den Klimawandel – und mit dem Thema Kommunikation, denn Menschen machen Stadt. Für die gebürtige Kalifornierin, deren Familie aus der Landwirtschaft kommt, ist Regen von Haus aus Anlass zur Freude.

Grit Diesing

Als Stadtplanerin liegt ihr die Vereinbarkeit der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung mit den Belangen anderer Fachdisziplinen am Herzen. Schon während ihres Studiums hat sie sich damit beschäftigt, wie Städte zukunftsfähig und lebenswert gestaltet werden können. Regenwasser sollte dabei als wichtiger Baustein gesehen werden – diesen Prozess des Umdenkens möchte sie gerne mit voranbringen.

Hanna Krüger

In ihrem Studium hat sie sich früh auf Hydrologie spezialisiert. Wasser in all seinen Erscheinungsformen fasziniert die Geografin. Dieses Wissen bringt sie auch in den Agenturalltag ein, betrachtet Regen als Teil des gesamten Wasserhaushalts. Besonders interessiert sie die Frage, inwieweit ein neuer Umgang mit Regenwasser große Städte wie Berlin aufwerten kann.

Portraitbild von Wolfram Schroff

Wolfram Schroff

Als Kommunikationsexperte denkt er (Regen-)Wasser noch einmal anders als seine Kolleginnen. Seit seinem Studium der Geschichte, der Politik und des öffentlichen Rechts beschäftigt er sich mit der Frage, wie man gesellschaftlichen Wandel mit kommunikativen Mitteln gestalten kann. So arbeitete er lange Jahre für eine der führenden deutschen Agenturen im Bereich Agenda-Setting und betreute als Projektleiter und PR-Berater Institutionen, Verbände und Stiftungen.

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