Solares Gründach
Planung und Finanzierung von Dachbegrünung und Solar

Wer ist ein guter Ansprechperson für die Kombination aus Dachbegrünung und Solaranlage? Welche Fördermöglichkeiten gibt es? Welche genehmigungsrechtlichen und technischen Anforderungen bestehen? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

15. Mai 2020
dach_Solaranlage_Kombination
Berliner Förderprogramme

Berlin fördert sowohl die Solarenergie auf den Dächern der Stadt sowie die Anschaffung eines Solarspeichers (EnergiespeicherPLUS) als auch die Dachbegrünung über getrennte Förderprogramme. Im Programm GründachPLUS ist aber die »Kombination von Dachbegrünung und Solaranlagen […] zulässig und ausdrücklich erwünscht«. Gefördert werden die Mehrkosten, die sich »beim Schichtenaufbau und der Substratverlegung durch die Aufständerung für die Solaranlage ergeben können«.

Kombination Gründach und Photovoltaikanlage
Solarthermische Anlage auf Gruendach
Extensives Gründach mit Solarthermieanlage
Förderprogramme des Bundes

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert über die “Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen” (BEG-EM) den Erhalt und die Neuanlage von Dachbegrünungen im Rahmen von Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle sowie Solarthermie-Anlagen zur Wärmeerzeugung. Ab 2023 erfolgt die Förderung in jedem Fördertatbestand als direkter Investitionszuschuss des BAFA. Nähere Informationen sind hier abrufbar.

 

Alternativ können selbstnutzende Gebäudeeigentümer seit dem 1.1.2020 die Kosten für eine wärmedämmende Dachbegrünung als Sanierungsmaßnahme bei der Steuer absetzen (§ 35c Einkommensteuergesetz).

 

Photovoltaikanlagen werden über das KFW-Kreditprogramm 270 gefördert.

Sparen bei der Niederschlagswassergebühr

Extensiv begrünte Dächer halten je nach Standort 50 bis 70 % des jährlichen Niederschlags zurück.

Das entlastet die Kanalisation und macht sich deshalb auch bei der Niederschlagswassergebühr bemerkbar: Die Berliner Wasserbetriebe senkt sie für Gründächer je nach Spielart– auch kombiniert mit Solaranlagen – um 50 bis zu 80 %.

Genehmigung

Alle bekannten Systeme für die Kombination von Gründach und Solaranlage sind bauaufsichtlich zugelassen. Frühzeitig in der Planung sollte man sich allerdings beim zuständigen Stadtentwicklungsamt (Fachbereich Bauaufsicht) über eine möglicherweise erforderliche Baugenehmigung sowohl für die Solaranlage als auch für das Gründach erkundigen.

 

Besonderes Augenmerk sollte auf der anschließenden Versickerung des abfließenden Regenwassers liegen. Die Berliner Niederschlagswasserfreistellungsverordnung (NWFreiV) regelt u. a., dass keine schädlichen Stoffe vom Dach ins Grundwasser gelangen dürfen. Werden die hier genannten Voraussetzungen nicht erfüllt, muss die Wasserbehörde die Versickerung erst ausdrücklich erlauben. Das Sicherheitsdatenblatt bzw. die Produktinformation zur jeweiligen Solaranlage weist aus, ob sie wassergefährdende Stoffe enthält oder nicht. Dies dient der Wasserbehörde dann als Entscheidungsgrundlage.

Montage von PV-Modulen auf einem extensiven Gruendach
Solarteure bei der Montage einer Photovoltaikanlage
Planung und Umsetzung

Eine fachgerechte Planung, Ausführung und Instandhaltung sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass die Kombination Solar und Gründach dauerhaft ein Gewinn ist. Bereits frühzeitig in der Planungsphase sollten alle beteiligten Gewerke (Garten- und Landschaftsbaubetrieb, Solar-Fachbetrieb, Gründach-Systemhersteller, Statiker:in, Dachdeckende) eingebunden werden, um die Bauabläufe aufeinander abzustimmen.

 

Koordination

Ein Landschaftsarchitekturbüro bzw. -planungsbüro übernimmt dabei idealerweise die Koordination der Planung. Bei kleineren Projekten können auch Garten- und Landschaftsbaubetriebe erste Anlaufstellen sein.

 

Technische Voraussetzungen

Damit die Solaranlage nicht abrutscht, darf das Dach eine maximale Neigung von 5 Grad haben. Das Gebäude muss statisch für das Gewicht von Dachbegrünung und Solaranlage geeignet sein. Extensive Begrünungen haben in der Regel ein Eigengewicht von 80 bis 120 kg/m² (wassergesättigt). Hinzu kommen etwa 14 bis 35 kg/m² für eine Photovoltaik- bzw. 10 bis 25 kg/m² für eine Solarthermieanlage.

 

Die zulässige Nutzlast für genutzte Dächer liegt laut DIN 1055-3/2006-03 bei 200 kg/m² (Einzellast) bzw. bei 400 kg/m² (Flächenlast). Für nicht genutzte Dächer gibt es lediglich einen Maximalwert für eine Einzellast von 100 kg/m². Eine pauschale Aussage, ob sich ein Dach statisch für die Kombination Gründach und Solar eignet, ist nicht möglich. Hier hilft ein Statiker weiter.

Absturzsicherung auf einem extensiven Gruendach mit Solaranlage
Für die Pflege eines Gründachs braucht es eine Absturzsicherung.

Es wird empfohlen, bei der Planung von Solaranlagen direkt ein geeignetes Blitzschutzsystem mit vorzusehen. Der VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. gibt nähere Hinweise und Empfehlungen und verweist auf die Normenreihe DIN EN 62305/VDE 0185-305. Elektrofachplanende helfen hier weiter.

Wartungsgang zwischen PV-Modulen auf extensivem Gruendach
Wartungsgang zwischen zwei Reihen Photovoltaikmodulen in Ost-West-Ausrichtung
Die Photovoltaikmodule brauchen genügend Abstand zum Grün, um nicht verschattet zu werden.

Wird die Solaranlage Richtung Süden ausgerichtet, bestimmt sich der Abstand zwischen den Modul- bzw. Kollektorreihen nach dem geografischen Breitengrad. Ihre Höhe und der Winkel der Aufständerung müssen groß genug sein. Generell gilt: je nördlicher das Dach, desto größer die Abstände. Hier wie auch bei einer Ost-West-Ausrichtung müssen die Gänge zwischen den Reihen breit genug für Instandhaltung und Wartung von Gründach und Solaranlage sein.

 

Wichtig sind zudem Absturzsicherungen. Die Bepflanzung muss außerdem einfach gepflegt werden können, ohne dass Kabel o. Ä. im Weg sind.