MyPlace Berlin-Mariendorf Berliner Regenwasseragentur
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Aus Erfahrung klug

26. April 2021
Seitdem das gesamte Erdgeschoss ihres Lagergebäudes in Berlin-Mariendorf bei Starkregen überschwemmt wurde, baut das Unternehmen MyPlace Selfstorage nur noch Gebäude mit begrünten Dächern.

Das eine Mal war genau ein Mal zu viel. »Das nennt man wohl Jahrhundertregen, was wir da 2012 erlebt haben«, erinnert sich Paul Visotschnig, Geschäftsführer des Lagerraumanbieters MyPlace Selfstorage mit Hauptsitz in München. Wenige Jahre zuvor hatte MyPlace gerade sein Lagerhaus in Berlin-Mariendorf fertiggestellt. In dem Gewerbegebiet gibt es wenig Grün. Die Gebäude stehen dicht an dicht, dazwischen befinden sich Parkplätze und andere versiegelte Flächen, durch die kein Regenwasser sickern kann. Im Sommer staut sich hier die Hitze.

 

MyPlace hatte zwar direkt beim Bau einen Streifen mit Versickerungsmulden anlegen lassen. »Doch zu der Zeit hat es permanent geregnet, der Untergrund war irgendwann total gesättigt und die zu klein dimensionierten Mulden konnten das Wasser nicht mehr aufnehmen«, berichtet Visotschnig.

»Und dann kam auch noch besagter Jahrhundertregen. Die Mulden sind vollends übergelaufen und das Wasser hat sich über den Notausgang zurückgestaut. Aus den Fallrohren vom Dach kamen uns gigantische Wasserströme entgegen, das Erdreich wurde richtig tief ausgespült.«
Mulde für den Parkplatzbereich
Luftaufnahme von MyPlace Mariendorf
Luftaufnahme des Firmengeländes

In der Folge war das gesamte Erdgeschoss überflutet. »Ausgerechnet dort hatten wir zu der Zeit schon fast alle Lagerabteile vermietet. Unsere Mitarbeiterinnen mussten dann erstmal alle Kunden informieren, das war ziemlich unangenehm.« Einige konnten mit ihren Sachen in die oberen Etagen umziehen, wo damals noch einiges frei war. »Aber wir mussten natürlich viele Mieten zurückzahlen und Schäden erstatten. Nicht alles konnte unbeschadet wieder trocknen. Da haben wir angefangen zu überlegen, wie wir so etwas künftig verhindern können.«

 

Aha-Erlebnis in Mariendorf

Aus München waren Visotschnig und seine Kolleg:innen solche Überschwemmungen nicht gewohnt. »An unseren Standorten dort versickert das Niederschlagswasser ganz unproblematisch, der Boden ist ziemlich durchlässig.« Der Boden um das Mariendorfer Lagergebäude sei eine andere Liga.

»Hier hatten wir es plötzlich mit einem ziemlich lehmhaltigen Untergrund zu tun, durch den kaum etwas versickert. Das war ein richtiges Aha-Erlebnis in Mariendorf.«

Zurück in München, habe er bei heftigem Regen aus dem Fenster seines Büros geschaut. »Hier kam aus den Fallrohren nur ein kleines Rinnsal. Ich erinnerte mich, dass wir auf dem Gebäude dort das Dach begrünt hatten, und dachte: Das könnte die Lösung für Berlin sein.« Denn wie so viele Gebäude in dem Mariendorfer Gewerbegebiet hat auch das Lagerhaus von MyPlace ein Flachdach und bietet damit beste Voraussetzungen fürs Begrünen.

600 qm

Flachdach hat das Unternehmen MyPlace am Standort Mariendorf begrünt.

30.000

hat die extensive Dachbegrünung gekostet.

Visotschnig nahm Kontakt zu dem Architekturbüro auf, das das Gebäude errichtet hatte, und zu dem Dachdecker, den er schon beim Bau des Mariendorfer Lagerhauses beauftragt hatte. »Da die zusätzlichen Lasten für die Statik kein Problem darstellten, ging dann alles ganz schnell.«

Dachablauf in Mulde
Wenig Pflegebedarf, großer Effekt

Auf einem Teil der insgesamt fast 2.000 Quadratmeter großen Dachfläche gedeiht seit 2012 eine extensive, also pflegearme Dachbegrünung mit niedriger Substratschicht und Sukkulenten. Fast die Hälfte des Regenwassers wird hier zwischengespeichert und verdunstet mit der Zeit. Das restliche Wasser wird in die Mulde geleitet und kann dort versickern. Überschwemmungen gab es seitdem keine mehr.

 

Rund 30.000 Euro hat das Ganze gekostet. »Diese Art Gründach ist wunderbar pflege- und wartungsarm, ganz unkompliziert.« Zugleich sei die Dachhaut dadurch vor Hagel und anderen Witterungseinflüssen geschützt. Das Klima im Gebäude habe sich auch deutlich verbessert: »Die oberen Geschosse heizen sich jetzt viel weniger auf«, freut sich der MyPlace-Geschäftsführer.

»Früher haben wir Gründächer nur als Kostenfaktor gesehen, heute sind sie für uns ein zentraler Bestandteil, der uns vor unangenehmen Überraschungen schützt. Ohne bauen wir gar nicht mehr, aus der Erfahrung in Mariendorf haben wir wirklich gelernt.«
50.000

haben Vertiefung und Bodenaustausch von Mulden gekostet.

10.000

Niederschlagswasserentgelt spart MyPlace jährlich je Grundstück maximal ein.

Zusätzlich zur Dachbegrünung hat MyPlace auch die bereits vorhandenen Mulden deutlich vertieft und den Boden ausgetauscht. Die Mulden befinden sich hauptsächlich entlang der vorderen Grundstückseite zur Lankwitzer Straße. Diesen Streifen pachtet MyPlace von der Stadt und pflegt ihn. »Auf der Rückseite beginnt direkt Wohnbebauung, deshalb müssen wir das gesamte Regenwasser nach vorne leiten. Da kommt dann natürlich deutlich mehr an, als wenn das Wasser schön verteilt abfließen kann.« Gut 50.000 Euro haben Vertiefung und Bodenaustausch gekostet.

Große mit Bäumen bepflanzte Mulde

Die Kosten für Dachbegrünung und Muldenausbau haben sich nach einigen Jahren amortisiert, obwohl MyPlace keinerlei Fördermittel dafür in Anspruch genommen hat.

»Ich habe mal ausgerechnet, was wir dadurch sparen, dass wir nicht an die öffentliche Kanalisation angeschlossen sind, sondern das Niederschlagswasser an unseren Lagergebäuden komplett selbst bewirtschaften: je nach Grundstück bis zu 10.000 Euro im Jahr!«
Gut für Umwelt, Image und Mitarbeiter:innen

MyPlace setzt an allen seinen 52 Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Nachhaltigkeit. Gründächer gehören inzwischen zum Standard. Auf ein 2020 fertiggestelltes Gebäude in Berlin-Weißensee hat das Unternehmen sogar ein begrüntes Retentionsdach setzen lassen. Dank zusätzlicher Wasserrückhalteboxen unter der Substratschicht wird der Niederschlag hier nahezu vollständig gespeichert.

 

»Von diesem Grundstück dürften wir gerade mal einen Liter Niederschlagswasser pro Sekunde in die Kanalisation einleiten«, berichtet Visotschnig. »Da haben wir uns entschlossen, das Regenwasser gleich komplett dezentral zu bewirtschaften.« Hinzu kommt, dass das Lagergebäude hier unterkellert sei. »Eine Überschwemmung wäre also noch schlimmer als in Mariendorf.«

Dank Retentionsdach laufe hier im Grunde gar kein Wasser mehr durch die Fallrohre ab, freut sich der MyPlace-Geschäftsführer. Und wenn es doch mal sintflutartig regnen und Niederschlagswasser überlaufen sollte, wird es in ein Biotop auf dem Grundstück geleitet. »Das haben wir extra für den Notfall angelegt.«

Luftbildaufnahme des Firmengeländes von MyPlace in Weißensee
Luftbildaufnahme des Firmengeländes von MyPlace in Weißensee

Zu den Klimaschutzmaßnahmen von MyPlace gehört auch, sich komplett von fossilen Brennstoffen zu lösen. Nur noch an zwei Standorten gebe es Ölheizungen und die würden in den nächsten Jahren ausgetauscht, so Visotschnig. Ansonsten nutzt das Unternehmen an immer mehr Standorten Erdwärmepumpen zum Heizen und Photovoltaikanlagen (PV) zur Stromerzeugung für den Eigenbedarf.

»Auf einem begrünten Dach arbeitet die PV-Anlage viel effizienter, das ist wirklich ein erstaunlicher Effekt.«

Denn die Verdunstung des Regenwassers kühlt die PV-Module und steigert so ihre Leistung. So fügt sich die dezentrale Bewirtschaftung des Regenwassers wunderbar ein ins Umwelt- und Klimaschutzkonzept von MyPlace. »Wir sind es unserer Umwelt schuldig, einen Beitrag zu ihrem Schutz zu leisten. Und gut fürs Image unseres Unternehmens ist es auch.«

 

Für die Stimmung unter den Mitarbeiter:innen sowieso: »Schließlich müssten die den ganzen Schlamassel im wahrsten Sinne des Wortes ausbaden, wenn eines unserer Gebäude nochmal überschwemmt würde.« Aber die Gefahr besteht ja nun hoffentlich nicht mehr.

»Die Maßnahmen haben sich wirklich gelohnt, weil wir seitdem erfreulicherweise keine Probleme mehr haben.«

Und auch das Gewerbegebiet profitiert, weil sich durch die Begrünungsmaßnahmen dort das Mikroklima verbessert. Das Beispiel zeigt, dass selbst auf dicht bebauten Gewerbeflächen Platz für Grün und die Bewirtschaftung von Regenwasser ist.