Dachbegrünung, entsiegelte Flächen und eine künstliche Wasserfläche auf einem Privatgrundstück in Berlin-Mahlsdorf
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Dachbegrünung, entsiegelte Flächen und eine künstliche Wasserfläche auf einem Privatgrundstück in Berlin-Mahlsdorf
11. Januar 2021
Viele Grundstückseigentümer leiten Regenwasser in die Kanalisation ein. Andere haben diese Möglichkeit nicht. Hier erfahren Sie, warum das so ist, wann Sie Regenwasser auf dem eigenen Grundstück bewirtschaften müssen und wie Sie das anstellen können.

In Berlin sind die Bedingungen für Grundstückseigentümer im Umgang mit Regenwasser nicht überall gleich. Im Zentrum gelangt das Regenwasser zusammen mit dem Abwasser in die so genannte Mischwasserkanalisation. Außerhalb des S-Bahn-Rings fließen Abwasser und Regenwasser in getrennten Kanälen ab. Zudem gibt es Gebiete, die über keine Regenwasserkanalisation verfügen, und sogar ein kleiner Restbestand an Altsiedlungen, in der das häusliche Abwasser noch in Gruben gesammelt wird.

 

Lange war es still um das Thema Regenwasser. Doch das ändert sich. In Folge der Klimaveränderung kommt es häufiger zu Starkregenereignissen oder zu langen Trockenphasen. In ganz Berlin wird das Management von Regenwasser angepasst – weg von der Ableitung hin zur Bewirtschaftung vor Ort. Denn Regenwasser ist hierzulande größtenteils eine knappe Ressource – und manchmal gibt es eben viel zu viel davon.

 

Es kann daher sein, dass Sie als Grundstückseigentümer von den Berliner Wasserbetrieben oder von Ihrem Bezirk verpflichtet werden, »Ihr« Regenwasser weitestgehend auf dem eigenen Grundstück zu bewirtschaften. Dies ist bei (Neu-)Bauvorhaben immer der Fall, kommt aber auch zunehmend bei bereits bebauten Grundstücken vor, wenn im Gebiet keine zentrale Regenentwässerung vorliegt. Gleiches gilt, wenn Altsiedlungen an die Abwasserentsorgung angeschlossen werden.

Exkurs

Unterwelten: Ein Blick in die Berliner Kanalisation

Die Berliner Kanalisation ist heute ungefähr so lang wie die Strecke von hier bis zur peruanischen Hauptstadt Lima: ganze 10.916 Kilometer. Ein erstes Abwassersystem wurde bereits ab 1873 nach Plänen des Baurats James Hobrecht und mit Unterstützung des Arztes und Politikers Rudolf Virchow gebaut. Es hat die Berliner Bevölkerung im wahrsten Sinne »vor Pest und Cholera« gerettet.

 

Mischwasserkanalisation

Vom ursprünglichen System ist noch weitestgehend die Mischwasserkanalisation erhalten, die sich innerhalb des S-Bahn-Rings befindet. Im Mischsystem gelangen Schmutzwasser aus den Haushalten (z.B. von der Dusche, Spül- und Waschmaschine sowie Toilette) und Regenwasser von den befestigten Flächen gemeinsam zum Klärwerk. Dort wird beides zusammen gereinigt und wieder in die Oberflächengewässer geleitet.

 

In die großen Sammelkanäle passt problemlos ein PKW. Trotzdem kann die Mischkanalisation bei Starkregen nicht die gesamte Wassermenge aufnehmen: mehrmals im Jahr gelangt mit Regenwasser verdünntes Schmutzwasser in die Spree oder den Landwehrkanal und führt dort zu sofort sichtbaren und längerfristigen Problemen, wie z.B. Fischsterben oder auch die Anreicherung von Schadstoffen im Gewässer.

 

Deswegen soll im Bereich der Mischwasserkanalisation im Zuge von Sanierungsvorhaben nach und nach, mit Hilfe von Förderung, die Fläche reduziert werden, die über die Kanalisation entwässert wird. Das nennen wir »abkoppeln«.

 

Bei Neubau gelten hingegen von Anbeginn strenge Begrenzungen für die Ableitung von Regenwasser. Von Vorteil ist, dass Sie als Grundstückseigentümer das Niederschlagswasserentgelt zum Teil oder auch vollständig einsparen können.

Trennsystem

Außerhalb des S-Bahn-Rings werden Schmutz- und Regenwasser in zwei voneinander getrennten Kanälen abgeleitet: das Schmutzwasser ins Klärwerk, das Regenwasser ins nächste Gewässer. Dieses Trennsystem umfasst etwa drei Viertel des Berliner Kanalnetzes und ist erst im zwanzigsten Jahrhundert entstanden.

 

Schmutzwasserkanäle sind passgenau für die Aufnahme des häuslichen Abwassers dimensioniert und deswegen um ein Vielfaches kleiner als die Regenkanäle.

 

Die Gewässer, die das Regenwasser aufnehmen, sind oft sehr klein. Bei starkem Regen kommt es zu einer Belastung der Gewässer durch zu viel Dreck von den Straßen und/oder zu hohen Wassermengen in kurzer Zeit.

 

Und wiederum andere Kleinstgewässer sind von einer Austrocknung bedroht. Sie freuen sich über abgeleitetes Regenwasser – wenn dieses vorher gereinigt wird.

 

Neuanschlüsse an die Regenkanalisation sind nur noch stark eingeschränkt möglich. Ob und wo eine Abkopplung angestrebt wird, hängt vom aufnehmenden Gewässer ab.

Wohngebiete ohne Regenkanalisation

In Stadtrandlage gibt es wiederum oftmals Wohngebiete ohne Regenkanalisation. Anders als in den dicht bebauten und großflächig asphaltierten innerstädtischen Gebieten kann das Regenwasser hier, dank der vielen Grünflächen, auf natürliche Weise im Erdreich versickern, von Pflanzen und Bäumen aufgenommen werden und verdunsten.

 

Ist eine Schmutzwasserkanalisation vorhanden, ist diese nicht für die Aufnahme von Regenwasser gedacht. Trotzdem kommt es vor, dass Regenwasser von privaten Grundstücken aus Versehen oder unerlaubt in die Schmutzwasserkanalisation abgeleitet wird. Wir sprechen hier von »Fehlanschlüssen«.

 

Gelangen größere Mengen Regenwasser in den Schmutzkanal, quillt Abwasser aus den Kanaldeckeln an die Straßenoberfläche oder strömt in Seen und Flüsse. Besonders unangenehm wird es, wenn sich das Schmutzwasser in den Häusern zurückstaut und Keller überflutet.

 

Und auch bei Starkregen, wie Berlin sie seit einigen Jahren immer häufiger erlebt, darf das Regenwasser nicht einfach von den Grundstücken auf die Straße laufen, weil es dort zu Überschwemmungen der Straßen oder bei den Nachbarn führt. Aus diesem Grund ist in Gebieten ohne Regenkanalisation die Bewirtschaftung von Regenwasser auf dem eigenen Grundstück schon immer eine Pflichtaufgabe gewesen.

 

Diese Pflicht besteht weiterhin, wenn Ihr Wohngebiet als Altsiedlung erstmalig an die Schmutzwasserkanalisation angeschlossen wird.

 

Doch selbst wenn eine Regenkanalisation vor der Haustür liegt, ist es in den Außenbezirken oft ein Leichtes, auf eine dezentrale Regenwasserbewirtschaftung umzustellen und dabei Ihre Betriebskosten zu senken.

So finden Sie heraus, wohin das Regenwasser auf Ihrem Grundstück fließt

 

Viele Grundstückseigentümer wissen gar nicht, was mit dem Regenwasser auf ihrem Grundstück passiert. Oft gehen die Regenfallrohre vom Dach einfach in den Boden. Aber dann?

Um einen Überblick über die Regenentwässerung auf Ihrem Grundstück zu bekommen, hilft oft ein Blick auf Ihre Abwasserrechnung oder in die Bauunterlagen. Sie können sich auch bei den Berliner Wasserbetrieben erkundigen. Einen groben Überblick über die bei Ihnen im Gebiet vorhandene Kanalisationsart gibt Ihnen diese Karte der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.

So könnte ein Grundstück in den Außenbezirken Berlins aussehen, auf dem Regenwasser an Ort und Stelle bewirtschaftet wird. Dachbegrünung, Versickerungsmulden und (teil-)entsiegelte Flächen lassen das Regenwasser verdunsten und versickern. Grafik: Berliner Regenwasseragentur

Regenwasserbewirtschaftung vor Ort: Sie haben viele Möglichkeiten

 

Sie haben viele Möglichkeiten, Regenwasser dezentral zu bewirtschaften – abhängig von Grundstück, Bebauung, den natürlichen Gegebenheiten und finanziellen Möglichkeiten. Auch eine Kombination verschiedener Lösungen ist möglich.

1 .

Flächen entsiegeln

Einfach umzusetzen ist zum Beispiel die Entsiegelung von Flächen: Auf asphaltierten oder anderen komplett versiegelten Flächen wie Garagenauffahrten, Stellplätzen, Terrassen oder Gehwegen läuft der Niederschlag oft notgedrungen zur Straße hin. Verlegen Sie hier möglichst wasserdurchlässige Befestigungen wie Rasengitter, Fugenpflaster oder Schotter.

 

Im besten Fall entfernen Sie den Flächenbelag komplett und bepflanzen die Flächen. So kann das Regenwasser ungehindert im Erdreich versickern. Die Versickerung von Regenwasser ins Erdreich trägt zur Neubildung von Grundwasser bei. Das meiste im Boden gespeicherte Regenwasser wird allerdings durch Bäume und Pflanzen aufgenommen, verdunstet und kühlt an warmen Tagen angenehm die Umgebungsluft.

 

Bei teilversiegelten und abschüssigen Flächen fließt Niederschlagswasser dennoch in geringen Mengen ab. Gut ist, wenn es in ein angrenzendes Beet fließt. Bei einer zur Straße geneigten Einfahrt kann zum öffentlichen Straßenraum hin eine Entwässerungsrinne verlegt werden, über die das überschüssige Regenwasser dort hingeleitet wird, wo es versickern kann.

 

Rasengittersteine machen sich z. B. gut in der Garagenauffahrt.
2 .

Regenwasser in Versickerungsmulden leiten

Bei einem Wohnhaus macht die Dachfläche meist den Löwenanteil der versiegelten Fläche aus. Um das Überflutungsrisiko zu reduzieren, ist es sinnvoll, das Dachregenwasser vorübergehend in so genannten Versickerungsmulden zu speichern. In diesen flachen, bepflanzten Vertiefungen sammelt sich das Regenwasser zunächst oberirdisch und versickert dann im Boden.

 

Die Wasserdurchlässigkeit der Berliner Böden ist sehr unterschiedlich. Während z.B. Sandböden Regenwasser sehr schnell aufnehmen, wirken tonhaltige Böden wie eine Barriere und lassen Wasser nur extrem langsam versickern. Je durchlässiger der Boden ist, desto kleiner fällt der Speicherbedarf in der Mulde aus.

 

Während das Niederschlagswasser langsam durch die bepflanzte, obere Bodenschicht sickert, wird es automatisch von Schadstoffen – z.B. aus der Luft oder vom Dach – gereinigt. Solche Versickerungsmulden sind einfach und kostengünstig umzusetzen.

 

Bei einer etwa 30 Zentimeter tiefen Mulde müssen Sie eine Muldenfläche einplanen, die zwischen 10 und 20 Prozent der versiegelten Fläche entspricht, von der das Regenwasser in die Mulde fließt.

 

Haben Sie nicht ausreichend Platz oder lässt der Boden auf Ihrem Grundstück nur sehr wenig Wasser durch, können Sie die Versickerungsmulde zusätzlich mit einem unterirdischen Speicher- und Versickerungselement, einer sogenannten Rigole, kombinieren. Rigolen bestehen meist aus Kies, aber es gibt auch Boxensysteme aus Kunststoff.

 

Übrigens: Die Bepflanzung einer Versickerungsmulde lässt sich – standortangepasst – vielseitig zusammenstellen. Gräser, Stauden, Sträucher oder Gehölze erhöhen die Verdunstung und bieten Nahrung, Rückzugsräume und Niststätten für Vögel, Insekten und Kleinsäuger.

Eine Versickerungsmulde ist einfach und kostengünstig umzusetzen.
Eine Versickerungsmulde ist einfach und kostengünstig umzusetzen.
Die Pflanzen sollten für lange Trockenphasen sowie zeitweise Feuchte geeignet sein.
Die Pflanzen sollten für lange Trockenphasen sowie zeitweise Feuchte geeignet sein.
3 .

Das Dach begrünen

Ein begrüntes Dach sieht nicht nur gut aus, es ist auch eine effektive Maßnahme, um Regenwasser zeitweise zu speichern, damit es anteilig verdunsten kann. Vor allem flache oder bis etwa 15 Grad geneigte Dächer eignen sich zum Begrünen, möglich ist das aber auch bei Dächern mit einer Neigung bis zu 45 Grad. Dann benötigt das Gründach allerdings eine besondere Abrutschsicherung.

 

Meist werden Dächer extensiv begrünt: Hier werden auf einer dünnen Substratschicht niedrige Gewächse wie Moose, Sukkulenten, Kräuter und Gräser gepflanzt. Schon eine solche extensive Dachbegrünung hält im Jahresmittel etwa 50 Prozent des Regenwassers zurück. Das reduziert natürlich auch den Flächenbedarf für eine anschließende Muldenversickerung.

 

Bei dickeren Substratschichten, oder wenn unter der Substratschicht eine zusätzliche Retentionsschicht liegt, kann noch mehr Wasser zurückgehalten werden. Vom Prinzip her ähnelt die Retentionsschicht einer Rigole unter einer Versickerungsmulde. Mit einer besonderen Bauweise ist fast 100 Prozent Regenwasserrückhalt auf dem Dach möglich, dies bedeutet aber auch sehr viel Gewicht.

 

Wichtig: Lassen Sie erstmal die Statik Ihres Daches prüfen, denn nicht immer reichen die Lastreserven für eine Begrünung oder zusätzliche Retention aus.

 

Extensive Dachbegrünung auf Einfamilienhäusern in Berlin-Mahlsdorf
Eine extensive Dachbegrünung bringt viel und ist pflegeleicht.
4 .

Regenwasser nutzen

Unter günstigen Bedingungen können Sie bis zur Hälfte des Trinkwassers, das Sie im Haushalt für die Toilettenspülung oder zum Wäschewaschen nutzen, durch Regenwasser ersetzen. Ihre Waschmaschine wird es Ihnen aufgrund deutlich geringerer Kalkablagerungen danken und Waschmittel sparen Sie auch.

 

Besonders gut eignet sich Regenwasser außerdem zum Bewässern des Gartens, denn es enthält weniger gelöste Inhaltsstoffe und ist meist weicher als Leitungswasser – genau das lieben die Pflanzen.

 

Um kleinere Mengen Regenwasser zu sammeln, können Sie oberirdisch eine einfache Regentonne aufstellen. Oder Sie bauen unterirdisch eine Zisterne ein, in die noch ein Filter integriert ist. Mit Hilfe einer Pumpe kann das Wasser zur Bewässerung genutzt oder ins Haus befördert werden, wo es über eine eigene Leitung verteilt wird. Letzteres ist meist dann erst wirtschaftlich, wenn neu gebaut oder umfassend saniert wird.

 

Wie groß so eine Zisterne sein sollte, hängt sowohl von Ihrem Bedarf an Regenwasser ab als auch von der Größe der Dachfläche, von der der Niederschlag gesammelt wird. Im Internet gibt es zahlreiche Online-Zisternenrechner, die Ihnen bei einer ersten Einschätzung helfen.

Mit Regenwasser lassen sich Gärten einfach und kostengünstig bewässern.
Mit Regenwasser lassen sich Gärten einfach und kostengünstig bewässern.
Einbau von zwei Zisternen zur Bewässerung eines Grundstücks
Speichern lässt sich das Regenwasser in Zisternen.
Und jetzt? Informieren.

Je nach Maßnahme gibt es unterschiedliche Vorgaben, die Sie beachten müssen. Auch die Kosten variieren natürlich. Einige Bewirtschaftungsvorhaben werden gefördert, andere nicht. Manches können Sie selbst umsetzen, für vieles benötigen Sie jedoch einen Fachplaner. Dieser hilft Ihnen auch, das Thema Vorsorge bei Starkregen mitzudenken. Benötigen Sie eine Erstberatung, um sich zu orientieren? Wenden Sie sich einfach an uns!