Weiterdenken

Abkopplung: 2. Fachdialog nimmt Potenziale in den Fokus

27. Juni 2019
Es war eine erfolgreiche Fortsetzung: Am 5. April 2019 veranstaltete die Berliner Regenwasseragentur einen zweiten Fachdialog zum Thema Abkopplung. Rund sechs Monate nach dem Auftakt war auch diese Veranstaltung sehr gut besucht und brachte eine ganze Reihe neuer Erkenntnisse zutage.

Wieder ging es lebhaft zu und es gab regen Austausch unter den rund 70 Fachgästen. »Reden wir über Regen – Abkopplungspotenziale im Fokus« lautete das Motto des zweiten Fachdialogs, zu dem die Berliner Regenwasseragentur eingeladen hatte. Ausgangspunkt für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer war das 2017 vom Berliner Abgeordnetenhaus verabschiedete Ziel, Gebäude- und Grundstücksflächen, von denen Regenwasser in die Mischwasserkanalisation fließt, pro Jahr um ein Prozent zu reduzieren.

Speed-Input als Impuls

Um ein gemeinsames Verständnis von den Abkopplungspotenzialen in Berlin zu entwickeln, widmeten sich die Gäste zwei zentralen Fragen: »Welche Potenziale müssen wir im Blick haben, wenn wir abkoppeln wollen?« und »Welche davon sind besonders vielversprechend?«. Nach der Begrüßung und einer kurzen Einführung machten sechs Speaker den Auftakt, die in ihren Impulsvorträgen wichtige Erfahrungen zusammenfassten und für die nötige Flughöhe in den anstehenden Workshops sorgten. Angeregt durch den Speed-Input, fanden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Arbeitsgruppen zusammen, um sich den Potenzialen der Abkopplung auf drei unterschiedlichen Wegen zu nähern.

 

Maßnahmenpotenziale erkennen

Bei der Frage nach den größten Umsetzungsmöglichkeiten diskutierten die Arbeitsgruppen die Potenziale auf Gebäude- und Grundstücksebene, für den privaten ebenso wie für den öffentlichen Bereich. Sie betonten, wie wichtig es sei, die gesamte Maßnahmenvielfalt auszuschöpfen sowie die Mehrfachnutzung von Flächen zu fördern, in dem zum Beispiel Versickerungsflächen gleichzeitig als Lebensraum für Tiere oder zur Erholung dienen. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Etablierung von Nachbarschaftsmodellen über Grundstücksgrenzen hinweg – auch zwischen privaten und öffentlichen Flächen.

2. Fachdialog Abkopplung

Handlungsbedarf decken

Der zweite Schwerpunkt in den Arbeitsgruppen widmete sich der Frage, wo abgekoppelt werden muss, um die Handlungsbedarfe zu bedienen. Aus Sicht des Gewässerschutzes gilt es, sowohl im Misch- als auch im Trennsystem abzukoppeln. Hinzu kommen klimatische Hotspots, wo das Stadtklima mit mehr Verdunstung, Entsiegelung und Begrünung aktiv verbessert werden kann. Ein weiterer Aspekt: die Stärkung der Biodiversität, beispielweise in Form von sogenannten Trittsteinbiotopen. Auch ließen sich zur Überflutungsvorsorge Vorzugsgebiete für die Abkopplung identifizieren.

 

Gelegenheitsfenster nutzen

Als einen dritten Ansatz zur Identifikation von Potenzialen in und für Berlin definierten die Arbeitsgruppen sogenannte Gelegenheitsfenster. Als »fahrende Züge«, auf die es sich aufzuspringen lohnt, stehen beispielhaft Sanierung oder Umbau von Gebäuden, die Nutzung der Städtebauförderung für Abkopplungsmaßnahmen oder auch Investitionsprogramme des Landes Berlin, etwa das Gewässergüte- oder Straßenbauprogramm.

»Für uns ist der Auftrag klar: Wir werden noch in diesem Jahr zu kleinen Arbeitsrunden einladen, um diese Themen gezielt voranzubringen, und freuen uns über alle, die fachlich mitarbeiten möchten.«
Hanna Krüger, Berliner Regenwasseragentur

Fazit: Auf einem guten Weg

»Uns freut das kontinuierliche, große Engagement der Teilnehmerinnen und Teilnehmer«, sagt Hanna Krüger von der gastgebenden Berliner Regenwasseragentur. In diesem Zusammenhang erwähnt sie auch die vielen weiteren Ideen, die es in den Arbeitsgruppen und im Plenum gab. Exemplarisch stehen hier ein »Regenatlas« zur räumlichen Überlagerung von Maßnahmenpotenzialen und Handlungsbedarfen sowie die gemeinsame Entwicklung eines Leitbildes für Berlin, damit einhergehend Vorschläge für eine Überprüfung und ggf. Anpassung des 1-Prozent-Ziels. »Es haben sich im Rahmen des Fachdialogs Kernthemen herauskristallisiert«, erläutert die Geografin. »Für uns ist der Auftrag klar: Wir werden noch in diesem Jahr zu kleinen Arbeitsrunden einladen, um diese Themen gezielt voranzubringen, und freuen uns über alle, die fachlich mitarbeiten möchten.«

 

Wie schon beim Auftakt steht Ihnen eine mehrseitige Zusammenfassung der Veranstaltung zum Download zur Verfügung.