Hintergrund

Auf regen Austausch

25. April 2021
Wie kann die Regenwasseragentur die Bewirtschaftung von Regenwasser als Ressource in Berlin voranbringen? Diese Frage steht im Mittelpunkt unseres jährlich stattfindenden Öffentlichen Forums. Das zweite dieser Art fand am 3. März 2021 online statt. Wichtige Aussagen und Ergebnisse sowie den Mitschnitt finden Sie hier.

Sechs Gäste, sechs Botschaften

Darla Nickel, Leiterin der Regenwasseragentur, empfing sechs Gäste zum Gespräch, die auf verschiedene Weise die Bewirtschaftung von Regenwasser in Berlin vorantreiben. Hier sind Ihre wichtigsten Botschaften:

Bitte, liebe Regenwasseragent:innen,

  • arbeitet so praxisnah wie bislang,
  • baut eure Unterstützung für die privaten Eigentümer:innen aus,
  • geht noch stärker mit euren Dienstleistungen auf die Berliner Bezirke zu,
  • bringt Pilot- und Leuchtturmprojekte im Bestand voran,
  • helft uns dabei, die Zuständigkeiten für die Umsetzung klarzuziehen,
  • schenkt der Bodenentsiegelung mehr Aufmerksamkeit und
  • macht »Schwammstadt« zur Stadtmarke!

Das Publikum zu Wort

In dem »Ökologischen Stadtplan«, der vor etwa drei Jahren herausgegeben wurde, werden Beispielvorhaben gut dargestellt. Gemeinsam mit den Wasserbetrieben arbeiten wir auf eine Dokumentation von abgekoppelten Flächen hin. Es wäre zudem überlegenswert, durchgeführte Projekte von Berliner Akteuren festzuhalten und in eine Datenbank einzuspeisen, ähnlich wie es beispielweise bei der Tatenbank des Umweltbundesamts erfolgt. (Matthias Rehfeld-Klein)

 

Wir sammeln bereits Umsetzungsprojekte auf unserer Webseite. Wenn wir genügend Beispiele haben, erstellen wir auch gerne eine Kartenübersicht. Viele Vorhaben befinden sich allerdings noch in der Planung. (Darla Nickel)

Im Straßenraum gibt es auch schon größere Probleme, punktuell jedenfalls. Man kann es sich im Einzelfall überlegen. In der Krumme Straße in Charlottenburg versuchen wir, ein Grundstück in die öffentliche Grünanlage zu entwässern. Dabei sind nicht nur Fragen finanzieller und rechtlicher Art zu klären. Bei mehreren Eigentümern wird es schwierig, die Kosten und Lasten gleichermaßen zu verteilen. (Wilhelm-Friedrich Graf zu Lynar)

 

Das Thema Bewässerungsbedarf wurde vorhin genannt. Schaut man auf die engen Quartiere, sieht man die Privatflächen im Hintergrund und vorne die gestressten Straßenbäume. Es lohnt sich, über innovative Konzepte der Speicherung und Bewässerung im öffentlichen Raum nachzudenken. (Matthias Rehfeld-Klein)

Seit der Novellierung der Bauordnung im Jahr 2006 werden nur noch sehr wenige Belange im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens geprüft. Das heißt, erst wenn der Bauherr auf die Wasserbetriebe zukommt, wird er mit der brutalen Wahrheit konfrontiert, es sei denn die Architekten oder Landschaftsplaner sind schon sensibilisiert. (Wilhelm-Friedrich Graf zu Lynar)

 

Die Leute kommen irgendwann zu uns und wollen einen Anschluss haben. Dazu wird üblicherweise ein Entwässerungsantrag gestellt. Wenn sie dann erst erfahren, in welcher Situation wir aktuell sind, kommt Unverständnis auf. Wir müssen also gucken, wie wir gemeinsam zu besseren Lösungen kommen. (Gerhard Mauer)

 

Es gibt unter anderem vom Bund Deutscher Landschaftsarchitekten – BDLA – eine Initiative, den sogenannten »qualifizierten Freiflächenplan« zum Bestandteil des Bauantrags zu machen. Da würden sich solche Aspekte im Vorfeld umfänglich soweit regeln lassen, sodass es nicht zu Überraschungen kommt. Das ist ein Vorhaben, dass wir den Parteien hoffentlich soweit nahebringen können, dass es im Programm der nächsten Regierung, die in Berlin ab September regiert, aufgenommen wird. (Philipp Sattler)

Ich möchte kurz etwas dazu sagen. Genau das stellen wir jetzt beim Schumacher Quartier fest. Dort entwickeln wir etwas Neues – eine neue Art von Stadt, von Straßenraum. Jetzt, wo wir in die Entwurfsplanung für die Flächen gehen, stehen wir vor der Problematik, dass die Regelwerke die anvisierten Lösungen wie beispielsweise Verdunstungsbeete noch nicht kennen und dann auch hinderlich sind. Das eine oder andere Regelwerk muss sicherlich angepasst werden. (Karsten Wessel)

 

Ich würde mich da gerne anschließen. Eine Fortschreibung dieser Regelwerke kann uns in unserer Arbeit unterstützen. Am Anfang von Quartiersentwicklungen stehen integrierte Konzepte, wo Mobilität, Wohnen, Einzelhandel aber eben auch das Thema Freiraum zusammen betrachtet werden. Und je klarer die Rahmensetzungen sind, desto besser und schneller können Investitionen vorbereitet und geplant sowie die Anforderungen des Regenwassermanagements integriert werden. Es ist eine Erfahrung der letzten Jahre, dass eine Klarstellung und eine Zukunftsorientierung der Regelwerke sehr hilfreich wären. (Ina Zerche)

Thesenpapier der Berliner Bezirksämter

Unter der Federführung von Podiumsgast Wilhelm-Friedrich Graf zu Lynar haben verschiedene Berliner Bezirksämter die von ihnen gesehenen Herausforderungen der wassersensiblen Stadtentwicklung in einem Thesenpapier zusammengefasst und für die Diskussion zur Verfügung gestellt. Hier erfahren Sie, worauf es aus Sicht der Bezirke ankommt.